„Kochen unter Druck – warum ich mich immer wieder dem Wettbewerb gestellt habe!“

Es gibt in der Küche diesen Moment, in dem plötzlich alles gleichzeitig passiert.

Die Zeit läuft.
Mehrere Komponenten müssen fertig werden.
Der Kopf arbeitet schneller als die Hände.
Und irgendwo steht jemand und schaut ganz genau hin.

Genau deshalb habe ich mich immer wieder für Kochwettbewerbe entschieden.

Nicht, weil ich unbedingt gewinnen musste.

Sondern weil ich wissen wollte, was passiert, wenn ich mich selbst aus meiner Komfortzone hole.

Warum überhaupt ein Wettbewerb?

Kochen in einem Restaurant und Kochen bei einem Wettbewerb sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Im normalen Küchenalltag gibt es Abläufe, die man kennt. Man kennt seine Küche, sein Team, seine Produkte und seine Arbeitsweise. Natürlich gibt es auch dort Stress und unvorhersehbare Situationen.

Aber bei einem Wettbewerb ist vieles anders.

Man bekommt Vorgaben. Ein Zeitlimit. Bestimmte Produkte oder Aufgaben. Eine Jury, die jeden Handgriff und am Ende natürlich auch den Teller beurteilt.

Und plötzlich zählt nicht nur, ob ein Gericht schmeckt.

Es geht darum, innerhalb einer bestimmten Zeit eine Idee zu entwickeln, sie umzusetzen und am Ende möglichst genau das abzuliefern, was man sich vorgenommen hat.

Genau diese Herausforderung hat mich gereizt.

Warum plötzlich die Uhr mitkocht

Zeitdruck verändert die Art, wie man arbeitet.

Was in der eigenen Küche selbstverständlich funktioniert, kann unter Wettbewerbsbedingungen plötzlich eine ganz andere Herausforderung werden.

Jeder Handgriff muss sitzen.

Die Reihenfolge der Arbeitsschritte wird wichtig. Mise en place bekommt noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Und wenn etwas nicht nach Plan läuft, bleibt meistens keine Zeit, lange darüber nachzudenken.

Dann muss man entscheiden.

Weitermachen? Umplanen? Eine Komponente verändern? Etwas weglassen?

Man lernt sehr schnell, dass man nicht jede Situation kontrollieren kann.

Aber man kann lernen, mit ihr umzugehen.

Der Kopf muss ruhig bleiben

Vielleicht war das eine der wichtigsten Erfahrungen für mich.

Unter Druck wird man nicht plötzlich zu einem besseren Koch.

Man zeigt vielmehr, was man wirklich beherrscht.

Wenn die Vorbereitung stimmt und die Abläufe sitzen, kann man sich auch in stressigen Situationen auf sein Handwerk verlassen.

Und wenn etwas schiefläuft, hilft es nicht, hektisch zu werden.

Man muss ruhig bleiben.

Atmen.

Nachdenken.

Eine Entscheidung treffen.

Und weitermachen.

Diese Fähigkeit begleitet mich bis heute.

Nicht jeder Wettbewerb läuft nach Plan

Natürlich wäre es schön, wenn jede Teilnahme mit einem perfekten Ergebnis enden würde.

Aber so funktioniert es nicht.

Es gab Momente, in denen ich mit meiner Leistung zufrieden war. Und es gab sicherlich auch Situationen, in denen ich im Nachhinein dachte: Das hätte ich anders machen können.

Genau das gehört für mich zum Wettbewerb dazu.

Denn ein Wettbewerb zeigt einem nicht nur, was man gut kann.

Er zeigt einem auch sehr deutlich, wo noch Luft nach oben ist.

Und manchmal ist genau diese Erkenntnis wertvoller als eine gute Platzierung.

Kritik anzunehmen ist Teil des Handwerks

Eine Jury bewertet einen Teller anders, als man selbst ihn betrachtet.

Man kennt die Idee dahinter. Man weiß, wie viel Arbeit in jeder einzelnen Komponente steckt. Man weiß, warum man etwas genau so angerichtet hat.

Die Jury weiß das nicht unbedingt.

Sie bewertet das, was am Ende vor ihr steht.

Das kann manchmal hart sein.

Aber es ist unglaublich lehrreich.

Denn irgendwann muss man lernen, Kritik nicht persönlich zu nehmen, sondern sie als Möglichkeit zu sehen, besser zu werden.

Nicht jede Kritik muss man übernehmen.

Aber man sollte sich mit ihr auseinandersetzen.

Was vom Wettbewerb geblieben ist

Heute stehe ich nicht mehr bei jedem Wettbewerb am Herd.

Aber vieles von dem, was ich dort gelernt habe, begleitet mich noch immer.

Die Bedeutung einer guten Vorbereitung.

Die Ruhe unter Zeitdruck.

Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.

Der Anspruch, sich nicht mit dem ersten Ergebnis zufriedenzugeben.

Und vor allem das Vertrauen in das eigene Handwerk.

Gerade bei meinen eigenen Veranstaltungen merke ich immer wieder, wie wertvoll diese Erfahrungen sind.

Wenn mehrere Komponenten gleichzeitig fertig werden müssen, wenn etwas anders läuft als geplant oder wenn die Zeit plötzlich schneller vergeht als gedacht, hilft mir genau das.

Ich weiß, dass ich reagieren kann.

Warum ich es wieder machen würde

Wenn ich heute darüber nachdenke, warum ich mich damals immer wieder freiwillig diesem Druck ausgesetzt habe, ist die Antwort eigentlich ziemlich einfach.

Weil man nur herausfindet, was in einem steckt, wenn man sich manchmal Situationen aussetzt, die unbequem sind.

Wettbewerbe haben mir nicht nur beigebracht, schneller oder präziser zu arbeiten.

Sie haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich selbst zu vertrauen.

Und vielleicht ist das der größte Gewinn, den ich aus diesen Erfahrungen mitgenommen habe.

Nicht jeder Pokal bleibt.

Nicht jede Platzierung.

Aber das Wissen, dass man auch dann ruhig bleiben kann, wenn die Uhr läuft, der Druck steigt und nicht alles nach Plan funktioniert.

Dieses Gefühl nehme ich bis heute mit an jeden Herd.

Und genau deshalb würde ich mich wahrscheinlich immer wieder dem Wettbewerb stellen.

Nicht, um zu beweisen, dass ich besser bin als jemand anderes.

Sondern um herauszufinden, wie gut ich selbst noch werden kann.

Screenshot

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