Was Dir niemand über die Ausbildung zur Köchin sagt

Wenn Menschen hören, dass ich Köchin bin, kommen oft dieselben Reaktionen:

„Wie cool, Du kannst bestimmt richtig gut und ausgefallen kochen, oder?“

Ja – Kochen ist kreativ.

Erfüllend, laut, lebendig und wunderschön.

Aber: Über vieles spricht kaum jemand – Zeit etwas daran zu ändern.

Die Arbeitszeiten: Wenn andere frei haben, arbeitest Du.

Wenn andere abends essen gehen, beginnt für die Köche wohl eine der stressigsten Zeit des Tages.

Wochenende, Feiertage, Weihnachten, Silvester, Ostern, Valentinstag … – genau dann läuft die Gastronomie auf Hochtouren.

Gemeinsame Zeit mit den Liebsten? – Ganz ehrlich? Vergiss es!

Arbeitszeitgesetzt? Nicht so für die Gastro…

In den seltensten Fällen wirst Du es schaffen genau Deine acht Stunden zu arbeiten und dabei auch noch die Dir zustehenden 30 Minuten Pause zu machen.

Ich würde sagen 12-Stunden-Tage und mehr waren lange Zeit keine Seltenheit bei mir.

Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Freizeit, Familie und einen selbst.

Deine „neue Familie“ werden wohl eher Deine Kollegen.

Das Gehalt: Niemand wird Köchin wegen des Geldes

„Über Geld spricht man nicht!“ – richtig, aber für einen authentischen Einblick tue ich es trotzdem.

Die Ausbildung zur Köchin ist körperlich und mental recht anspruchsvoll – gleichzeitig gehört die Gastronomie bekannterweise nicht zu den bestbezahlten Branchen.

Bedeutet:

  • viel Arbeit
  • wenig Geld
  • lange Tage
  • harte Arbeit für wenig Anerkennung

Diesen Beruf macht man selten, weil man ihn „interessant oder cool“ findet.

Diesen Beruf macht man nur, wenn das Herz dafür brennt – aus absoluter Leidenschaft eben.

Warum es die Branche bis heute nicht schafft vernünftige Gehälter zu zahlen, ist mir ein Rätsel.

Gute Arbeit verdient gute Bedingungen.

Soll die Branche die nächsten Jahre überleben, sollten wir dringendst an dem Thema „Gehalt“ schrauben.

Die Küchensprache: Direkt, laut und manchmal hart

Um es vorwegzunehmen: Es gibt noch Küchen in denen Pfannen fliegen – aber sie sind selten geworden.

Wer in der Gastronomie lernt, sollte nicht zart besaitet sein.

Der Umgang untereinander ist oft laut, rau und hart – meist dem Stress und Druck geschuldet.

Was kaum einer versteht, der den Beruf nicht aus tiefstem Herzen liebt….

Die Gäste warten nicht!

Du kannst deine Aufgaben nicht einfach auf morgen verschieben.

Du kannst dem Gast nicht einfach sagen: „Entschuldigen Sie, aber heute gibt es kein Schnitzel, weil ich keine Zeit dafür hatte.“

Der Gast erwartet Leistung: Und zwar genau hier und jetzt.

Der Druck ist zum Teil immens und je höher die Liga ist, in der Du kocht, desto größer ist der Druck.

Was Du definitiv lernen sollte, wenn Du neu in der Küche bist:

  • nimm Kritik nicht allzu persönlich
  • bleibe unter Druck ruhig
  • lerne mit einem hohen Tempo umzugehen
  • lerne Multitasking

Die Küche hat ihre eigene Sprache.

Du musst sie verstehen, um Teil dieses Systems zu werden.

Körperliche Arbeit unterschätzt fast jeder

Kochen ist Handwerk. Handwerk bedeutet körperliche Arbeit.

Körperliche Arbeit bedeutet:

  • schwer Tragen
  • stundenlang stehen
  • schneiden, putzen, vorbereiten
  • Hitze, Stress, kaum Pausen

Der Körper gewöhnt sich dran. Aber, und das weiß ich nach fast 10 Jahren Gastronomie sehr gut, der Körper verzeiht nicht.

Man wird nicht jünger und die körperliche Arbeit wird von Jahr zu Jahr anstrengender.

Gib also acht auf Deinen Körper. Er ist Dein Werkzeug.

Familie und Gastronomie – passt das zusammen?

Kann ich später Küche und Familie miteinander vereinbaren?

Ein Thema, mit dem ich mich zu Beginn meiner Ausbildung nicht beschäftigt habe.

Heute weiß ich: Gar nicht so einfach, eine Antwort auf dieses Thema zu finden.

Die richtige Lösung gibt es wohl nicht; bzw. habe ich sie noch nicht gefunden.

Aber eines weiß ich: Du brauchst den richtigen Partner an Deiner Seite, der bereit ist Deinen Weg mit Dir zu gehen und Verständnis dafür hat, wenn die Küche mal wieder wichtiger ist.

Es gibt viele Möglichkeiten, Gastronomie zu leben – wie, muss wohl jeder für sich selbst rausfinden.

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Foto: Monika Reiter

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